Barfen:

Die folgenden Zeilen könnten Sie ziemlich aufbringen, sofern Sie Hundebesitzer sind, und für ihr Haustier eine "Biologisch artgerechte Rohkostfütterung" (Barf) bevorzugen.

Ich weiß, wovon ich spreche, denn vor elf Jahren habe ich für den SPIEGEL erstmals über diesen damals noch recht jungen Trend der Hundefütterung berichtet. Auf die Veröffentlichung des Textes folgte eine Welle empörter, teils sogar wütender Leserbriefe. Ich musste damals an die Worte meines ersten Chefs in einer Berliner Lokalredaktion denken: "Du kannst alles machen, aber du darfst dich nicht mit Hundebesitzern anlegen", meinte er nur halb im Scherz zu mir.

Anhänger des Barfens gehen davon aus, dass unsere Haushunde auf die gleiche Weise fressen und verdauen wie ihr wilder Verwandter, der Wolf. Und deshalb, so die Theorie, soll im Napf der Hunde vor allem rohes Fleisch und Gemüse landen. Modernes Trockenfutter hingegen ruiniere gemäß dieser Futterideologie die Gesundheit der Tiere. Meiner Recherche zufolge ließ sich jedoch ein positiver Effekt der Rohkostdiät in keiner Weise belegen.

Schlimmer noch: Die Experten warnten einhellig vor den Gesundheitsrisiken durch Salmonellen oder andere Krankheitserreger, die vom rohen Fleisch und Gemüse erst auf den Hund übergingen und anschließend von dem Tier über Kot und Speichel in Haus oder Wohnung verteilt würden. Besonders für Kinder und ältere Menschen, aber auch für Schwangere könnten diese Erreger zur Gefahr werden.

Auch elf Jahre später hat sich der Ruf des Barfens unter den Wissenschaftlern nicht gebessert, im Gegenteil. Eine neue Studie des Instituts für Lebensmittelsicherheit und -hygiene der Universität Zürich kommt zu einem alarmierenden Befund: Die Forscher untersuchten 51 Rohfutterproben von verschiedenen Anbietern. In 61 Prozent - also in mehr als jeder zweiten - fanden sie sogenannte ESBL (Extended Spectrum Beta-Lactamasen) bildende Bakterien. ESBL ist ein Enzym, das insbesondere Breitbandantibiotika wirkungslos machen kann. In 73 Prozent der Proben war der zulässige Grenzwert für Enterobakterien erhöht - dazu zählen jene Krankenhauskeime, die insbesondere Menschen mit schwachem Immunsystem gefährlich werden können.

Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass die Fütterung eines Hundes mit Rohfleisch eindeutig ein Gesundheitsrisiko darstelle sowie "ein bedeutender Risikofaktor für die Übertragung von antibiotikaresistenten Bakterien" sei.

Wissen Sie schon, was Sie Ihrem Hund heute in den Napf tun?

Herzlich

Ihr Frank Thadeusz

Dieser Text ist nach zulesen unter folgendem Link:

Der Spiegel Barf-Futter für Hunde

Jedie's Samojeden

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